Entschädigung wegen heimlicher Videoaufnahmen

Krefeld, 20. Februar 2015

Immer wieder kommt es vor, dass Arbeitgeber an der Arbeitsunfähigkeit ihrer Arbeitnehmer zweifeln. Fraglich ist, welche rechtlich zulässigen Maßnahmen sie ergreifen dürfen, um den Gesundheitszustand ihrer Arbeitnehmer zu überprüfen.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat mit Urteil vom 19. Februar 2015 (8 AZR 1007/13) entschieden, dass ein Arbeitgeber, der wegen des Verdachts einer vorgetäuschten Arbeitsunfähigkeit einem Detektiv die Überwachung eines Arbeitnehmers überträgt, rechtswidrig handelt, wenn der Verdacht nicht auf konkreten Tatsachen beruht. Dies gilt auch für dabei heimlich hergestellte Abbildungen. Fehlen konkrete Hinweise, dass eine Krankheit nur vorgetäuscht ist, stellt die Observation durch einen Detektiv mit heimlichen Videoaufnahmen nach Auffassung der Richter am BAG eine rechtswidrige Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts des Arbeitnehmers dar und kann einen Geldentschädigungsanspruch begründen.

Die Überwachung von Arbeitsnehmern durch Detektive ist durch das vorgenannte Urteil ab sofort klar geregelt. Nur bei einem begründeten Verdacht und konkreten Anhaltspunkten dürfen Arbeitgeber Detektive einsetzen. Andernfalls bleibt Arbeitgebern bei Misstrauen an der Arbeitsunfähigkeit ihrer Arbeitnehmer nur die Möglichkeit, eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) einzuleiten.